Epic Games KI steht gerade im Zentrum einer der heißesten Branchenmeldungen des Oktobers: Der Fortnite- und Unreal-Engine-Maker verschiebt seinen geheimen Disney-Shooter mit Marvel- und Star-Wars-Figuren – und stellt die Entwicklung laut Bloomberg auf einen „AI first“-Kurs um. Interne Vorgaben wie „kein handgeschriebener Code mehr“ und vollständige KI-Workflows für die Kunstproduktion sorgen für Diskussionen. CEO Tim Sweeney verteidigt den Umbau öffentlich: Es gehe nicht um weniger Personal, sondern um mehr und bessere Spiele – und um Vorteile für alle Teams, die Unreal nutzen.

Disney Shooter: Von März 2027 auf unbestimmt

Laut einem Bericht von Bloomberg, den unter anderem Ars Technica und 2Playerz aufgreifen, sollte der noch nicht offiziell angekündigte Multiplayer-Shooter im März 2027 erscheinen. Dieser Termin ist laut Quellen gestrichen; ein neuer Release-Plan steht aus. Im Spiel sollen Figuren aus Marvel und Star Wars auftauchen – Spekulationen sprechen von einem Extraction-Shooter im Stil von Arc Raiders. Bereits im April soll das Projekt bei internen Bewertungen nur durchwachsene Noten bekommen haben.

Hintergrund der Partnerschaft: Disney hat 2024 rund 1,5 Milliarden US-Dollar in Epic investiert und eine Multi-Game-Kooperation vereinbart. Fortnite-Fans kennen die Zusammenarbeit bereits – etwa durch KI-gestützte Stimmen und Disney-Erlebnisse in der Plattform. Dass ausgerechnet das große Disney Shooter-Projekt ins Stocken gerät, ist deshalb auch für die Investoren-Story relevant: Hier trifft ein milliardenschweres Commitment auf Entwicklungsverzögerungen und einen radikalen Methodenwechsel.

Epic Games KI: „Kein handgeschriebener Code mehr“

Der eigentliche Zündstoff steckt in den internen Anweisungen. Bloomberg zitiert Direktoren-Botschaften, wonach Code und Kunst künftig über vollständige KI-Workflows entstehen sollen – unter anderem mit Tools wie Anthropics Claude. Menschliche Entwicklerinnen und Entwickler steuern und prüfen die Ergebnisse, schreiben aber laut Vorgabe nicht mehr den Kerncode von Hand. Kommunikationsdirektor Jake Jones betonte gegenüber Bloomberg, Epic setze auf eine „durch KI beschleunigte Entwicklung“, die weiterhin von Epic-Teams geleitet werde: Sie seien die Visionärinnen und kreativen treibenden Kräfte.

Gleichzeitig soll Epic den Aufwand für den Disney-Shooter unterschätzt haben: Zu wenig Leute, zu wenig Zeit, langsamere Fortschritte als geplant. Die Verschiebung und der KI-Umbau greifen also ineinander – weniger „wir ersetzen Menschen“, mehr „wir retten einen Zeitplan, der aus dem Ruder gelaufen ist“, zumindest in der Lesart der Berichte. Eine unabhängige Bestätigung aller internen Zitate gibt es nicht; Epic hat die Bloomberg-Story nicht Punkt für Punkt dementiert, sondern den Kurswechsel öffentlich eingerahmt.

Tim Sweeney: Mehr und besser – nicht weniger Leute

Kurz nach dem Bloomberg-Bericht schrieb Tim Sweeney auf X, bei Epic laufe eine „huge pivot“: Entwicklerinnen und Entwickler würden umverteilt, um die Arbeit auf maximale KI-Beschleunigung umzustellen. Das Ziel sei nicht, mit weniger Menschen dasselbe zu tun, sondern allen zu ermöglichen, MEHR und BESSERE Dinge zu bauen – und die Vorteile allen Unreal Engine-Teams zugänglich zu machen. In Folgeposts sprach er davon, die „AI revolution“ zu überleben und am Ende schneller besseren Code und Content zu liefern; Effizienzgewinne seien je nach Bereich schon heute sehr unterschiedlich und sollten bis 2027 weiter steigen.

Damit positioniert sich Epic klar gegen die Angst, KI diene nur dem Stellenabbau – auch wenn das Unternehmen im März bereits rund 1.000 Stellen gestrichen hatte und Fortnite-Umsätze unter Druck standen. Für Unreal-Engine-Nutzer außerhalb von Epic ist die Botschaft interessant: Was Epic intern lernt, soll langfristig in Werkzeuge und Workflows der Engine einfließen. Wer die größere KI-Debatte in der Branche verfolgt, findet bei uns schon einen Überblick in Die Gaming-Revolution 2026 und eine Community-Diskussion zu Capcom und Sony im Forum.

Interne Zweifel – und was Spieler erwarten dürfen

Bloomberg berichtet auch von Skepsis im Team: Manche Entwicklerinnen und Entwickler hätten die Frage aufgeworfen, ob man Claude bitten könne, seine eigenen Fehler zu korrigieren – und gehofft, die Vorgabe sei nicht wörtlich gemeint. Das ist kein Beweis, dass der Kurs scheitert, aber ein Hinweis, wie brisant „AI first“ in einem AAA-nahen Projekt wirkt. Qualitätskontrolle, IP-Rechte an Marvel und Star Wars sowie Disneys Qualitätsansprüche machen den Disney-Shooter zu einem besonders riskanten Testfeld: Hier reicht „gut genug für ein internes Demo“ nicht.

Für euch als Spieler ändert sich kurzfristig wenig: Es gibt keinen neuen Trailer, keinen Store-Page-Start und keinen Ersatztermin. Mittelfristig wird spannend, ob Epic den AI-first-Ansatz nur für dieses eine Projekt durchzieht oder zum Standard macht – und ob andere große Studios nachziehen. Parallel zeigt die Unreal-Welt weiter Bewegung: Jagex setzt bei RS4 ebenfalls auf die Engine, während Epic intern radikal umrüstet.

Fazit: Epic Games KI als Branchen-Signal

Epic Games KI ist mehr als eine Technik-Notiz: Die Verschiebung des Disney-Shooters, die Bloomberg-Details zu Code und Kunst und Tim Sweeneys öffentliche Verteidigung ergeben zusammen ein klares Signal – ein großer Publisher setzt die Zukunft seiner Pipeline auf generative Tools. Ob daraus bessere Spiele oder nur schnellere Iterationen werden, entscheidet die Praxis. Was meint ihr: Mutiger Schritt oder riskantes Experiment mit Marvel und Star Wars? Schreibt es uns in die Kommentare oder ins Forum.

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