Platin, Juwelen, Diamanten – in vielen Spielen kostet kaum etwas direkt Euro, sondern eine Ingame-Währung, die ihr vorher mit echtem Geld kauft. Genau dieses Modell nehmen Europas Verbraucherschützer jetzt deutlich härter ins Visier. Nach dem EU-weiten Startschuss Ende September hat die italienische Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde AGCM am 8. Oktober 2026 bekanntgegeben, dass sie ein koordiniertes Verfahren gegen Activision Blizzard und weitere Firmen aus dem Microsoft-Konzern anführt. Im Mittelpunkt stehen Diablo Immortal und Call of Duty Mobile – und die Frage, ob Mikrotransaktionen dort so gestaltet sind, dass vor allem Kinder kaum noch durchblicken, wie viel Geld sie ausgeben.
Ingame-Währung: Was Italien Activision Blizzard vorwirft
Laut der Pressemitteilung der AGCM arbeitet Italien dabei als federführende Behörde mit den Verbraucherschutzämtern aus Norwegen und Dänemark zusammen. Geprüft wird, ob ein sogenannter „weitverbreiteter Verstoß“ vorliegt – also ein Verhalten gegen EU-Verbraucherrecht, das Spielerinnen und Spieler in mindestens drei EU-Mitgliedstaaten schaden könnte. Die Italiener hatten bereits im vergangenen Dezember nationale Ermittlungen zu Diablo Immortal und Call of Duty eingeleitet; jetzt bekommt das Ganze einen europäischen Rahmen.
Die Kritikpunkte sind konkret: Ingame-Käufe wie Kosmetik oder Waffen-Upgrades werden in Fantasiewährungen bepreist, am Ende zahlt ihr aber in Euro – direkt oder über mehrere Zwischenwährungen. Dazu kommen Währungspakete, die nie genau zum Preis eines Items passen, Dark Patterns im Shop-Design, unzureichende Jugendschutz-Einstellungen und fehlende Hilfe, wenn ein Account gesperrt wird. All das mache es laut AGCM gerade für Minderjährige und Menschen mit Suchtgefahr schwer, ihre Ausgaben im Blick zu behalten.
Die EU-Kommission nennt in ihrer eigenen Mitteilung weitere Prüfpunkte im Fall Activision Blizzard: wie persönliche Daten der Spieler gesammelt werden, ob die Spiele auf suchtfördernde Mechaniken setzen, wie die Standardeinstellungen der Kindersicherung aussehen, ob Kinder direkt zum Kaufen aufgefordert werden und ob vor dem Kauf ausreichend Informationen angezeigt werden.
Zehn Publisher, neun Spiele: Die EU-Aktion im Überblick
Der Fall Activision ist nur ein Teil des großen Pakets. Am 30. September hat das Netzwerk der europäischen Verbraucherschutzbehörden (CPC) unter Koordination der EU-Kommission Verfahren gegen neun weitere Unternehmen gestartet – wir hatten zum Start bereits kurz berichtet: EU prüft Ingame-Währungen bei Minecraft, Valorant und Co. Im Fokus stehen diese Spiele:
- Hunt: Showdown 1896 (Crytek)
- Forge of Empires (InnoGames)
- Candy Crush Saga (King)
- Minecraft (Mojang)
- Mech Arena (Plarium)
- Gardenscapes (Playrix)
- Valorant (Riot Games)
- Clash of Clans (Supercell)
- For Honor (Ubisoft)
Mit Crytek aus Frankfurt und InnoGames aus Hamburg sind auch zwei deutsche Studios betroffen. Vorausgegangen war ein Dialog mit der Spielebranche, den die Behörden 2025 gestartet hatten. Weil der laut Kommission „keine zufriedenstellenden Ergebnisse“ brachte, folgte ein Marktcheck – und daraus die jetzigen Verfahren.
Verbraucherschutz Gaming: Diese Regeln fordert die EU
Grundlage sind die „Key Principles“ der EU zu Ingame-Währungen. Daran sollen sich die Firmen künftig halten – zusammengefasst heißt das für euch:
- Klare Preise: Der echte Euro-Preis von Items und Währungspaketen muss sichtbar sein.
- Keine verschleierten Kosten: Mehrere Währungen oder Umtauschketten, die den Preis verschleiern, sollen vermieden werden.
- Kein Zwang zum Überkauf: Ihr sollt nicht gezwungen sein, deutlich mehr Währung zu kaufen, als ihr braucht.
- Infos vor dem Kauf: Verständliche Informationen müssen vor dem Kauf verfügbar sein.
- Widerrufsrecht: 14 Tage Widerruf, auch für ungenutzte Ingame-Währung.
- Faire AGB: Nutzungsbedingungen müssen klar und fair sein.
- Schutz für Verletzliche: Besonders Kinder brauchen wirksame Schutzmechanismen.
EU-Kommissar Michael McGrath, zuständig für Verbraucherschutz, begründet den Schritt so: Rund die Hälfte der Europäer spiele Videospiele, damit komme Verantwortung. Die Branche müsse sicherstellen, dass Spieler – besonders Kinder – keinen schädlichen oder unfairen Praktiken ausgesetzt sind. Sein Fazit: „Das Spiel muss fair sein, und die Regeln müssen eingehalten werden.“
Was drohen kann – und was noch kommt
Wie Euronews berichtet, könnten bei festgestellten Verstößen Bußgelder von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes in den betroffenen Ländern fällig werden. Ob es so weit kommt, ist offen: Solche Verfahren zielen zunächst darauf, dass die Unternehmen ihre Praktiken anpassen. Erst wenn das nicht passiert, können die nationalen Behörden Durchsetzungsmaßnahmen ergreifen.
Parallel läuft politisch noch mehr. Laut Euronews hat die Kommission vergangenen Monat einen Entwurf für einen EU Kids Act vorgelegt, der unter anderem Lootboxen für Kinder verbieten, echte Euro-Preise bei Ingame-Käufen und Kaufwarnungen vorschreiben und „Streak“-Mechaniken mit täglichem Login-Zwang eindämmen soll. Zusätzlich wird für später im Jahr ein Digital Fairness Act erwartet, der Dark Patterns und künstlichen Zeitdruck ins Visier nehmen soll.
Was bedeutet das für Spieler in Deutschland?
Kurzfristig ändert sich in euren Lieblingsspielen erst einmal nichts. Mittelfristig könnten Shops aber deutlich transparenter werden: Euro-Preise direkt neben Juwelen und Diamanten, Währungspakete, die zu den Itempreisen passen, und ein klarer Hinweis auf das Widerrufsrecht. Gerade bei Mobile-Games mit vielen jungen Spielern wäre das ein großer Schritt. Und weil das Verbraucherrecht EU-weit gilt, profitieren am Ende auch deutsche Spielerinnen und Spieler – egal, in welchem Land ein Verfahren federführend geführt wird.
Spannend wird, ob sich das Signal auch auf große Vollpreis-Titel auswirkt. Call of Duty setzt auch auf PC und Konsole stark auf Ingame-Shops – mehr zum aktuellen Ableger lest ihr in unserem Artikel zum Modern Warfare 4 Early Access. Und wer bei Minecraft gerade auf die Switch 2 wechselt, findet bei uns die Infos zur Minecraft-Switch-2-Vorbestellung – Minecraft gehört ebenfalls zu den geprüften Spielen.
Fazit: Mehr Druck auf Mikrotransaktionen
Mit Italien an der Spitze geht die EU jetzt konkret gegen Activision Blizzard vor, während neun weitere Publisher ebenfalls Post von den Behörden bekommen haben. Die Botschaft ist klar: Ingame-Währung darf kein Trick sein, um echte Preise zu verstecken. Wie Activision Blizzard und die anderen Firmen reagieren, bleibt abzuwarten – wir bleiben dran. Wie seht ihr das: Nerven euch Juwelen- und Diamanten-Shops, oder ist euch das egal, solange das Spiel Spaß macht? Schreibt es uns ins Forum!

